Die Schwarzgeherin
Ein abgelegenes Tal in Tirol, Ende des 19. Jh. – das ist die Heimat der jungen Theres. Doch die Heimat engt sie ein, das vorherrschende patriarchale, fromme Denken kann sie nicht nachvollziehen. Als ein Fremder im Dorf auftaucht, verliebt sie sich
Hals über Kopf in ihn, ist bereit alles zu riskieren. Doch dann verschwindet er spurlos … und Theres bricht endgültig mit den Ihren. Sie flüchtet in die Hochalpen über dem Tal und zieht dort in einer kleinen Hütte ihre Tochter Maria groß. Sie wird zur Schwarzgeherin, weil sie Grenzen übertritt – geduldet als Heilerin, wenn sie helfen kann; verachtet als Hexe, wenn sie zu spät gerufen wird. Doch auch in der Einsamkeit holt sie die Vergangenheit ein. – Ein großartiger Roman! Die Geschichte ist düster, aber auch atmosphärisch herausragend. Die Autorin arbeitet nüchtern und ohne jegliche Übertreibung, aber sehr eindringlich heraus, was es bedeutete, im 19. Jh. eine Frau zu sein, und was es diese kostete, aus der festgefügten patriarchalischen Ordnung auszubrechen. Gerade weil sie dicht bei den sehr ausgefeilten Charakteren bleibt, wirken die Ereignisse noch lange nach und graben sich tief in das Gedächtnis ein, lassen die romantisch-verklärte Welt der Alpen des 19. Jh. in einem ganz anderen Licht erscheinen. Uneingeschränkt für alle Bestände empfohlen.
Jutta Weber
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Schwarzgeherin
Regina Denk
Droemer (2024)
414 Seiten
fest geb.