Bonavia
Verschiedene Personen versuchen sich auf verschiedenen Wegen aus der dunklen und bedrückenden Zeit der Milosevic-Jahre in Serbien zu befreien. Die einen versuchen es ganz weit weg von Serbien und von Europa in den USA. Sie erhoffen sich ein ganz anderes,
vor allem auch von jeder "nationalen Klaustrophobie" freies Leben in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Andere fliehen nach Wien, das näher an der Herkunftsheimat Serbien liegt. Marko, die auch stark autobiographisch gefärbte Hauptfigur, beginnt zwar schnell die Stadt Wien und ihre Menschen zu lieben, aber er ist noch ganz besonders gefangen von familiären Bindungen zum 'hassgeliebten' Belgrad. Über seinen in einem Wiener Krankenhaus sterbenskrank liegenden Vater wird er noch einmal tief hineingezogen in die Geschichte seiner Familie, die auch von der jüngeren Geschichte Serbiens nicht zu trennen ist. Wo auch immer Marko sich wieder neu zu verwurzeln sucht, immer wieder wird er umschlungen und gefesselt von seiner Vergangenheit. Er sieht sich als ein "Überbleibsel verpasster Möglichkeiten", als "Teil einer vergifteten Generation" in einer "Welt als Baustelle". Man erfährt viel über das Lebensgefühl einer nach Europa und in die weite Welt aufbrechende Nach-Milosevic-Generation. Scharf rechnet der Autor mit dem phrasenhaften Serben-Patriotismus ab. Ganz besonders gelungen sind ihm aber die vielen liebevollen Passagen über österreichische, speziell wienerische Lebensgewohnheiten. (Übers.: Brigitte Döbert)
Carl Wilhelm Macke
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Bonavia
Dragan Velikic
Hanser Berlin (2014)
331 S.
fest geb.