Die Markus-Version
Péter Esterházy ist ein Erzähler, der unerbittliches, erstauntes, leidenschaftliches und aufmerksames Lesen verlangt. Und verdient! So auch in dem diesmal vergleichsweise schmalen Werk, der "Markus-Version". Dahinter verbirgt sich ein modernes Markusevangelium.
Erzählt wird es im Rückblick von einem Kind, das mit seiner Familie unter dem stalinistischen Knüttel nach Nordungarn abgeschoben und bei einem Kulaken einquartiert wird. Der Junge lernt die Bibel aus den Geschichten der Großmütter kennen und macht sich seinen eigenen Reim darauf. Es gibt ungezogene Fragen nach dem Humor Gottes und den Brüsten der Nachbarin, ernste Dinge wie die Anziehungskraft des Bösen und der Reiz des stillen Gebets, und auch die Gleichnisse Jesu haben es dem Jungen angetan. Bei alledem ist es ein postmodernes Evangelium, einfach erzählt, nicht so leicht zu verstehen (am Ende helfen einige Anmerkungen). Die Auferstehung fehlt. Ein wunderbares Buch vom "Meister des Verschweigens", allen Beständen empfohlen. (Übers.: Heike Flemming)
Michael Braun
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Markus-Version
Péter Esterházy
Hanser Berlin (2016)
115 S.
fest geb.