Warten auf Goebbels
Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs erhält der Regisseur Konrad Eisleben von Goebbels persönlich die Weisung, einen Film über den Endsieg zu drehen. Dieser soll im ganzen Reich nach der endgültigen Niederschlagung der Feinde gezeigt werden. Möglicherweise
würde Goebbels sogar selbst in einer triumphalen Siegesrede mitwirken. Da Babelsberg, die legendäre Film-Produktionsstätte bei Berlin, nicht mehr zur Verfügung steht, soll in dem Dorf Krahwinkel gedreht werden. Eine kleine Crew wird zwangsverpflichtet, was den meisten Beteiligten mehr als gelegen kommt, entgehen sie auf diese Weise doch dem Fronteinsatz. Eisleben versteht es, die Dreharbeiten immer wieder hinauszuzögern. Und nachdem der fanatische Nazi Wagner bei einem Fliegerangriff ums Leben gekommen ist, gelingt es ihm sogar - im Hinblick auf die drohende Niederlage - die Intention des Propagandafilms nach und nach ins Gegenteil zu verkehren. Der Film soll seine "weiße Fahne" werden. Überdies hat er zwei jüdische Schauspieler angefordert, denen er auf diese Weise das Leben rettet. - Das ganze Spektrum menschlicher Größe, aber auch menschlichen Versagens, menschlicher Borniertheit und Niedertracht unter dem Damoklesschwert eines totalitären Regimes entfaltet sich bei diesen so lebensnah gezeichneten Charakteren. Bei dem historisch interessanten und sehr authentisch wirkenden Roman Schroeders spürt man unbedingt dessen jahrlange Erfahrung als versierter Filmautor. Dramaturgisch höchst effektvoll werden collagenartig Filmszenen, Originalausschnitte aus Goebbels-Reden, Biografien der Protagonisten und Erzählerkommentare gemischt. Eindrucksvoll!
Warten auf Goebbels
Bernd Schroeder
Hanser (2017)
235 S.
fest geb.