Das große Herz
Seine Alkoholsucht und seine Suizidversuche bringen Jackies Vater Jim in die Psychiatrie. Dort besucht seine 14-jährige Tochter ihn jeden Tag, auch wenn er sie nicht sehen will, denn sie hofft, ihn retten zu können - doch Jim lebt in seiner eigenen
Welt. Trotzdem wird der riesige Klinikkomplex Beckomberga mit seinem Park zu Jackies zweiter Heimat. Sie lernt Ärzte, Schwestern, andere Patienten kennen, nimmt alle so, wie sie sind, erkennt, dass die Kranken oft in der Klinik Geborgenheit empfinden. Jackies Mutter, als Fotografin viel unterwegs, lässt ihrer Tochter alle Freiheiten, und Jackie findet in einem Patienten ihre erste große Liebe. Als Erwachsene kann sie später keine Bindungen eingehen und zieht ihren Sohn allein auf. Als Beckomberga geschlossen wird, versucht Jim, allein im Süden am Meer zu leben, sagt aber, dass ihn nichts am Leben halte. Die Tochter gibt auf: sie hat niemanden retten können, sie kann nur ihren Sohn beschützen. - In vielen nicht chronologisch geordneten szenischen Kapiteln aus den 1980er Jahren und der heutigen Zeit erzählt Stridberg in ruhiger und klarer Sprache, emotional und atmosphärisch dicht diese traurige wie fesselnde Geschichte, in der starke Naturstimmungen Gefühle der Angst, der Hoffnung oder der Liebe wiederspiegeln und verstärken. Ein intensiver, oft melancholischer Roman für literarisch Interessierte. (Übers.: Ursel Allenstein)
Gudrun Eckl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das große Herz
Sara Stridsberg
Hanser (2017)
317 S.
fest geb.