Tauchsommer

Zoes Vater wird mit einer schweren Depression in die Psychiatrie eingeliefert. Sie und ihre Mutter besuchen ihn dort, bis er ihnen mitteilt, dass er keine Besuche mehr wünscht. Zoe widersetzt sich dem. Sie fährt allein in die Klinik und wartet auf Tauchsommer ihn. Dabei lernt sie die Schwimmerin Sabina kennen, mit der sie in Gedanken die Ozeane durchschwimmt. Zoe findet schlichte und sehr poetische Worte für diese so bedeutende Phase ihrer Kindheit. Das Verschwinden des Vaters erscheint ihr mysteriös, ebenso wie seine Traurigkeit und seine Ablehnung. Umso erstaunlicher, dass sich das Kind einer anderen Patientin anschließt und sich in deren Phantasmen einleben kann. Die Psychiatrie erscheint somit nicht nur als ein Ort der Heilung, sondern auch als einer der Freiheit – ein geschützter Raum, der Gedankenflüge ermöglicht. In der Sprache des Mädchens liest sich diese "Traumlogik" plausibel und auch die seitenübergreifenden Bilder öffnen sich diesem Irrationalen, dem sich das Kind so gerne hingibt. Die großen, farbintensiven Aquarelle sind von hohem ästhetischem Reiz und ziehen in ihren Bann. Den Betrachter:innen mag es wie Zoe ergehen, wenn sie diese Bildräume als eigene Raumwelten erleben. Die Bezeichnung "Kinderbuch" ist insofern nicht ganz zutreffend, denn die Geschichte wird auch Erwachsene ansprechen. Wohl können erwachsene Vorleser:innen den Kindern erklären, was eine Depression bedeutet. Aber Trauer, Erwartung und Hoffnung sind starke Gefühle, die eine Kindheit prägen können (wie es Zoe in der Rückschau erzählt) und an deren Intensität sich auch Erwachsene erinnern sollten.

Dominique Moldehn

Dominique Moldehn

rezensiert für den Borromäusverein.

Tauchsommer

Tauchsommer

Sara Stridsberg ; [Illustrationen:] Sara Lundberg ; aus dem Schwedischen von Lukas Dettwiler
Karl Rauch (2024)

[48] Seiten : farbig
fest geb.

MedienNr.: 753456
ISBN 978-3-7920-0387-9
9783792003879
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr

Borromäus-Altersempfehlung: ab 6
Systematik: KK
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