Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher
Hoeder greift ein wichtiges Thema auf, da Chancengleichheit für viele Menschen auch heute noch ein leeres Versprechen ist. Ausgehend von ihrer eigenen Lebensgeschichte analysiert die Autorin verschiedene Bereiche der Gesellschaft, um die Ursachen
ungleicher Chancen aufzudecken. Sie entwirft auch einen knappen historischen Überblick über die Entwicklung des Kapitalismus. Die Ergebnisse ihrer Recherchen, dazu gehören auch Gespräche mit Betroffenen, nutzt Hoeder allerdings meist, um ihre politischen Thesen zu untermauern. Die Welt wird in Unten und Oben eingeteilt. Die Überwohlständigen (Reichen) und die ausgebeutete Arbeiterschaft. Immer wieder fehlt es an Differenzierungen. Auch nur annähernd gerecht geht es offensichtlich nirgends zu. Das Problem liegt darin, dass Hoeder kaum andere nicht ökonomische Sichtweisen zulässt. Ihr Ansatz, alle Aspekte des Lebens als von Klassenunterschieden belastet zu beschreiben, hat Folgen. Der Begriff wird dadurch auf eine Art und Weise erweitert, die ihn beliebig werden lässt. Genauso unscharf sind die Lösungen, die sie vorschlägt: in erster Linie materielle Umverteilung. Sprachlich wendet sich das Buch eher an die von ihr so sehr kritisierten Eliten.
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Vom Tellerwäscher zum Tellerwäscher
Ciani-Sophia Hoeder
hanserblau (2024)
253 Seiten
fest geb.