Mitte des Lebens

Die Lebensmitte zwischen 40 und 60 wird oft als beste Lebensphase beschrieben, aber gleichzeitig ist sie die Zeit für erste Zweifel an dem Erreichten. War das schon alles? Was erwartet mich noch? Die Routine des täglichen Tagesablaufs verursacht Mitte des Lebens auf einmal ein Gefühl der Leere. Die Philosophin und Journalistin Barbara Bleisch (*1973) betritt mit ihrem Buch "philosophisches Niemandsland". Sie selbst nennt es ein Beratungsbuch. Verständlich und kenntnisreich fasst sie in Worte, was wir alle fast täglich fühlen: das Wissen um die eigene Vergänglichkeit und Endlichkeit. Die Zeit scheint zu rasen. In der Lebensmitte stellt sich die Sinnfrage. Der kanadische Psychoanalytiker Elliot Jaques fand in den 60er Jahren hierfür den treffenden Begriff "midlife crisis". Sehnsüchte treffen auf endzeitliche Gefühle. Das Leben erschöpft sich nicht mehr in der Aneinanderreihung genussvoller Erfahrungen. Die existentialistische Philosophie spricht dann von einem guten Leben, wenn uns an diesem Leben liegt und wir uns selbst verwirklicht sehen. Die Autorin beleuchtet die Sinnfrage aus verschiedenster Sicht. Griechische, römische, zeitgenössische Philosophen und Literaten von Aristoteles bis zum Filmhelden Toni Erdmann treten als Zeugen an. Die Bandbreite der Bezüge bietet dem Leser vielfältige Anregungen, eine neue Lebendigkeit und Offenheit zu finden, das Staunen wieder zu lernen, "atelisch" zu leben und nicht immer auf ein Ziel oder einen Endpunkt hinzusteuern. Das Buch steht für den Anspruch eines gelingenden Lebens im Rahmen einer bürgerlichen Wohlstandsgesellschaft ohne große Herausforderungen wie Krieg, wirtschaftlicher Einbruch. Das ist vielleicht ein kleiner Mangel dieses sonst so lesenswerten Buches.

Renate Feldmeyer

Renate Feldmeyer

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Mitte des Lebens

Mitte des Lebens

Barbara Bleisch
Hanser (2024)

271 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 619716
ISBN 978-3-446-27968-1
9783446279681
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Ph
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