Abschied von den Boomern
Die in der alten Bundesrepublik zwischen 1955 und Ende der 1960er-Jahre Geborenen zählen allgemein zu den geburtenstarken Jahrgängen und werden auch als Baby-Boomer bezeichnet. Ähnliches gilt mit leichter zeitlicher Verzögerung für die ehemalige
DDR. Menschen dieser Geburtsjahrgänge verlassen nun zunehmend das aktive Erwerbsleben und treten in die Rente ein. Diese Entwicklung nimmt der Autor, der als Soziologe selbst zu dieser Alterskohorte gehört, zum Anlass, in grob chronologischer, insgesamt aber durch die Strukturierung in recht kurze Einzelkapitel essayartiger Darstellung gemeinsame Einstellungen und Lebenserfahrungen der Baby-Boomer herauszuarbeiten. Viele Beobachtungen, die oftmals mit Beispielen aus der Literatur und dem Film unterlegt sind, sind dabei sicher sehr zutreffend, etwa die Feststellung, dass die Boomer wesentlich vom vorangegangenen Wirtschaftswunder und der Bildungsreform der 1960er-Jahre profitierten und deutlich weniger gesellschaftliche Utopien träumten wie die Generation der 68er. Auch die häufigen Vergleiche zwischen dem Leben in West- und Ostdeutschland sind bedenkenswert. Dort wo der Autor jedoch auf spezielle Erfahrungen seiner Vergangenheit in West-Berlin und der Hausbesetzerszene zurückgreift, darf dagegen bezweifelt werden, dass diese persönlichen Erinnerungen typisch für die beschriebene Altersgruppe sind. Zudem fehlt eine vertiefende Reflexion der Haltungen der Boomer, denen Bude insgesamt eine Mischung aus Pragmatismus, Skeptizismus und Weltoffenheit bescheinigt, zu bestimmenden Entwicklungen der jüngeren Vergangenheit, etwa Corona, dem erstarkenden Rechtspopulismus oder dem Klimawandel. Möglich für große Sachbuchbestände.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Abschied von den Boomern
Heinz Bude
Hanser (2024)
142 Seiten
fest geb.