Nirwana
Trotz der Übersetzungen seiner wichtigsten Werke ins Deutsche ist der niederländische Autor Tommy Wieringa hierzulande immer noch relativ unbekannt. Das dürfte sich mit seinem neuen Roman "Nirwana" ändern, der jetzt auch in deutscher Übersetzung
erschienen ist – nicht zuletzt wegen seines Themas. Denn der Autor beleuchtet hier ein Stück deutsch-niederländischer Geschichte, das bisher in der Geschichtsschreibung beider Länder eher ein Schattendasein geführt hat. Die Rede ist von niederländischer Kollaboration mit Nazideutschland von 1940 bis 1945 – genauer gesagt von einem niederländischen Nazisympathisanten der ersten Stunde, der der SS beitritt und an Kriegsverbrechen in Osteuropa beteiligt ist. Dennoch gelingt es ihm in der Nachkriegszeit, von aller Schuld reingewaschen und als reicher Mann alt zu werden. Verpackt wird die Geschichte in einen Familienroman, in dem es nicht nur um die Vergangenheitsbewältigung in der Enkelgeneration geht, sondern vor allem um die Frage, wie diese Epoche europäischer Geschichte vor dem Hintergrund neofaschistischer Tendenzen der Gegenwart künstlerisch adäquat aufbereitet werden kann. Der Roman ist für alle geeignet, die sich für die Geschichte des 20. Jh. und für künstlerische Selbstverortung im ersten Viertel des 21. Jh. interessieren.
Antonie Magen
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Nirwana
Tommy Wieringa ; aus dem Niederländischen von Bettina Bach
Hanser (2025)
477 Seiten
fest geb.