Gym

Der handliche Roman von Verena Keßler spielt im „Mega-Gym“, einem Fitnessstudio, in dem die Erzählerin nach einer beruflichen Katastrophe einen Neuanfang wagt. Sie war fast ganz oben in der workaholischen Businesswelt, bis eine jüngere Kollegin Gym sie zu Fall brachte und sie überraschend gewalttätig wurde. Nach verbüßter Strafe hat sie Geldprobleme und jede Arbeit ohne große gedankliche Leistung ist ihr recht. So bekommt sie mit einer Notlüge den Job als Thekenkraft. Mehr und mehr findet sie Gefallen an der eintönigen Arbeit mit Smoothies und Proteinshakes und noch mehr am Training vor der Arbeit. Endlich bekommt sie wieder „Boden unter die Füße“, in dem sie immer verbissener ihren Körper trainiert und Kraft und Anerkennung aus einem tollen Body zieht, der andere übertrumpft. Doch am Ende übertreibt sie es und die Situation im Fitnessstudio eskaliert. – Das überzeichnete Setting mit einer egoistischen Protagonistin und anderen weiblichen Figuren macht den Wahn um Körperkult, Insta-Klicks, optimale Ernährung und Arbeitsdruck eindringlich sichtbar. Raffiniert komponiert in drei „Übungssequenzen“ mit unterschiedlichen Frauenleben im Personalkarussell. In Schreibpausen hat die Autorin selbst in einem Studio trainiert und so das Thema um einen optimierten Körper und die geschönte Außendarstellung für ihr Buch entdeckt. Gute Unterhaltung mit Gesellschaftskritik. Lohnenswerte Anschaffung!

Karin Steinfeld-Bartelt

Karin Steinfeld-Bartelt

rezensiert für den Borromäusverein.

Gym

Gym

Verena Keßler
Hanser Berlin (2025)

188 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 623193
ISBN 978-3-446-28163-9
9783446281639
ca. 23,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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