Leben, sterben und Kaninchen
Der Geschmack des Marmeladenbrots, der Geruch des Kaninchens, die Vorfreude auf etwas oder bange Gefühle – was unser Leben ausmacht, ist so vielfältig wie individuell. Und dennoch sind unsere Gefühle universell: Liebe, Freude, Angst und Abneigung
kennt natürlich jeder Mensch. So wie jeder weiß (und es meistens erfolgreich verdrängt), dass unser Leben endlich ist. An die Eingangssentenzen dieses Kinderbuchs schließt sich ein Nachdenken über den Tod an. Wie kann sich Trauer äußern? Wie gestalten Menschen Abschiedsrituale bei Beerdigungen? Worauf dürfen wir nach unserem Tod hoffen? Es macht die Stärke dieses Textes aus, dass die jungen Leser:innen direkt angesprochen und sie auch mit sehr persönlichen Trauererfahrungen der Autorin konfrontiert werden. Gleichzeitig wohnt dieser Erzählung etwas Offenes und Allgemeingültiges inne, woraus sich lebenskluge Erfahrung ausdrückt. Dabei wird ein religiöser Kontext nicht formuliert. Der ganze Text mäandert sich durch die großen existentiellen Fragen. Er muss nicht unbedingt chronologisch gelesen werden; es lassen sich auch gedankliche Stippvisiten beim Lesen einlegen. Man wird Anregungen aus der Lektüre mitnehmen, die nachwirken können, sowie Fragen, die man vielleicht im Austausch mit jemandem klären will. Die Bebilderung wird besonders jüngere Kinder ansprechen; hier liegt der Fokus auf cartoonartigen, witzigen Inhalten. Gleichwohl, dieses Buch hat das Potential, seine Leser:innen zu binden und sie lange zu begleiten. Schön wäre es, wenn es zudem zu Reflexionen über Generationen hinweg anregen könnte.
Dominique Moldehn
rezensiert für den Borromäusverein.
Leben, sterben und Kaninchen
Dita Zipfel & Rán Flygenring
Hanser (2025)
[88] Seiten : farbig
fest geb.
Borromäus-Altersempfehlung: ab 8