Vater im Glauben?
Obwohl es literarisch und archäologisch wenig historische Sicherheit über die Gestalt Abrahams gibt, nimmt er in der Geschichte des jüdischen Volkes eine zentrale Stelle ein und bildet ein Fundament des jüdisch-christlichen Glaubens. Der Autor,
der alle Abrahamtexte im Alten und Neuen Testament und im Koran zitiert, beschreibt die unterschiedliche Deutung der Genesistexte über Abraham, die Reflexionen in der hebräisch-jüdischen und griechisch-jüdischen Bibel sowie die Veränderungen des Abrahambildes in den paulinischen Briefen und in den Evangelien und legt sie im literarischen und zeitgeschichtlichen Kontext aus. Der im Koran 69 Mal erwähnte Ibrahim, der von Mohammed für seine gesellschaftlichen, politischen und religiösen Zwecke instrumentalisiert wird, steht als erster Muslim im Widerspruch zur Religion der Juden und Christen und ist eine freie Fortschreibung der außerbiblischen jüdischen Tradition. - Dieses umfangreiche Kompendium mit seinen vielen wissenschaftlichen Querverweisen, das u.a. auch Fragen der Exegese und Hermeneutik diskutiert, ist v.a. für Theologiestudenten, Theologen und für diejenigen interessant, die tiefer in den interreligiösen Dialog einsteigen wollen.
Helmut Eggl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Vater im Glauben?
Hubert Frankemölle
Herder (2016)
520 S. : Ill. (farb.)
fest geb.