Kunkku
1947 wird der zukünftige Herrscher Finnlands, Kalle XIV. Penttinen, genannt Kunkku geboren. Seine Kindheit ist ziemlich einsam und freudlos; Kunkku fühlt sich, je älter er wird immer mehr gefangen. Er darf nicht ohne Entourage sein, nicht in die
Tennismannschaft, nicht die Welt entdecken. Als der König stirbt, wird Kunkkus Welt noch enger: Staatsbesuche, Empfänge, Einweihungen, Eröffnungen bestimmen fortan sein Leben. Beim Besuch der Olympischen Spiele in Hinter-Sibirien gelingt ihm eine kurze Flucht mit der Schauspielerin Sofi, aber er wird in Tallin aufgespürt und zurückgebracht. Sofi, die von ihm schwanger ist, wird kurzerhand mitgenommen. Sofi und Kunkku heiraten, aber das Eheleben und das Leben als Monarch und Monarchin ist aus vielerlei Gründen schwierig. - Die Erzählung über Kunkkus Leben ist gespickt mit rückblickenden Bemerkungen vieler Personen, die seinen Lebensweg begleitet oder auch nur gekreuzt haben, darunter auch bekannte Persönlichkeiten aus der Geschichte des letzten Jahrhunderts, denen Kunkku begegnete, wie z.B. John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow. Dieser Erzählstrang wechselt kapitelweise mit dem Ich-Erzähler Kunkku in seinen späteren Jahren. Er nennt sich jetzt Pena, der nach seinem Rauswurf als König von Sozialhilfe lebt und mit großer Mühe versucht, sein Leben und das seiner Familie einigermaßen auf die Reihe zu bringen. - Der finnische Autor Kyrö hat mit Kunkku/Pena eine faszinierende Person geschaffen. Kunkku ist als König eine Witzfigur, aber nur, weil er nicht er selbst sein darf. Der Roman ist ein Feuerwerk an grotesk-witzigen, skurrilen, verrückten Einfällen und Wortschöpfungen. Wer würde über die 'Ganzkörpersteifheit' der Königin nicht ebenso lachen können wie über den 'generösen Busenspalt', den die Herzogin von Muonio dem jungen Kunkku präsentiert, oder über das umwerfende Konzept des Möbelhauses EKIA, das die Bäume nur noch fällt und dann mit Kreissäge und Bauanleitung an den Verbraucher schickt? Der Autor überlässt sich seiner Phantasie und Fabulierlust, wenn er Persönlichkeiten der Geschichte auftreten lässt und Tatsachen umschreibt. Ein grandioser witziger Streifzug mit Kunkku durch die - erfundene - jüngere Geschichte Europas. Für geistig wendige Leser sehr empfehlenswerte Unterhaltung. (Übers.: Stefan Moster)
Ulrike Braeckevelt
rezensiert für den Borromäusverein.
Kunkku
Tuomas Kyrö
Hoffmann und Campe (2014)
575 S.
fest geb.