Stumme Schwäne
Als das Haus seiner Familie in Ankara im Sommer 1980 von Faschisten niedergebrannt wird, ändert sich für Ali das Leben. Sein großer Bruder geht in den Untergrund. Nun lebt Ali zeitweise bei der Familie von Ayse, die so alt ist wie er. Gemeinsam
hecken die beiden Kinder einen Plan aus, denn, umgeben von bürgerkriegsähnlichen Zuständen in ihrem Viertel, wollen auch sie kämpfen. Sie haben im Gezi-Park beobachtet, dass Regierungsbeamte Schwäne einfangen, um ihnen die Flügel zu stutzen, damit sie nicht mehr fliegen können. Gemeinsam wollen die Kinder die Schwäne retten. - Die Journalistin Temelkuran, die in der Türkei z.Zt. Schreibverbot hat und die die Wirrnisse der Türkei in den 1980er Jahren als Kind miterlebt hat, erzählt von der kindlichen Hoffnung auf ein Ende der bürgerkriegsähnlichen Verhältnisse in ihrer Heimat. Konsequent aus der Perspektive der Kinder erzählt, gelingt es ihr darzustellen, wie sehr Kinder im Krieg leiden. Gleichzeitig ist dieser Roman eine Mahnung an die heutige Türkei unter Erdogan, in der es ihren Landsleuten, gleichsam "stummen Schwänen", versagt ist, offen zu reden und ein politisch freies Leben zu führen. (Übers.: Johannes Neuner)
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Stumme Schwäne
Ece Temelkuran
Hoffmann und Campe (2017)
383 S.
fest geb.