Alle Schönheit, aller Zauber
Die umfangreiche Briefkorrespondenz der Protagonisten ist die Basis dieser lesenswerten Doppelbiografie, die Einblick gibt in die Lebenswelt und Beziehung von Lucie von Hardenberg, geschiedene Gräfin Pappenheim (1776-1854), mit dem berühmten, neun
Jahre jüngeren Fürsten Hermann Ludwig Heinrich von Pückler-Muskau (1785-1871). Pücklers visionäre Gartenkunst (Weltkulturerbe), aber vor allem auch die vielen legendären Reisen haben bis heute zu seinem Mythos beigetragen. Doch wer war eigentlich die Frau neben ihm, wie groß ihr Anteil an diesen unvergleichlichen Lebensprojekten? Der Leser erfährt, dass ihr Anteil entscheidend war, denn ihr Mut, ihre weitreichenden Kontakte, die Beharrlichkeit in ihrem ambitionierten Wirken und nicht zuletzt ihr großes Vermögen haben die extravaganten Parkvorhaben des zunächst wenig ruhmreichen, jedoch exzentrischen Grafen (!) Pückler Wirklichkeit werden lassen. Fakt ist aber auch, dass die oft als Vernunftehe bezeichnete Verbindung echte Zuneigung und besondere Seelenverwandtschaft auszeichnete. Nur so war die außergewöhnlich große Toleranz der Fürstin angesichts der vielgestaltigen Eskapaden und Zumutungen ihres mitunter rücksichtslos-egoistischen Mannes möglich. Auch an Pücklers schriftstellerischem Erfolg und seiner damit verbundenen öffentlichen Anerkennung hatte sie wesentlichen Anteil. – Die hier erfreulicherweise ausführlich zitierten Brieftexte bieten dem Leser interessante Charakterstudien und einen intensiven Zugang zu individuellen Lebensplänen und persönlichen Ansichten. Der im Mittelteil des Bandes angesiedelte Fotoblock vervollständigt diese charismatische, ins Innere blickende Lektüre. – Beste Leseempfehlung!
Elisabeth Burgis
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Alle Schönheit, aller Zauber
Dagmar von Gersdorff
Insel (2026)
255 Seiten : zahlreiche Illustrationen (teilweise farbig)
fest geb.