Wir Gespenster
Als die junge Lilli eines gewaltsamen Todes stirbt, findet sie sich als "Gespenst" neben ihrer Leiche wieder und erkennt, dass sie nun ein Leben als Geist weiterführt, in einer Welt, die den Sterblichen unsichtbar ist, wo sie aber vielen anderen Gespenstern
begegnet. Einer davon ist Andrä, ein ehemaliger Kriminalkommissar. Der führt Lilli behutsam in ihr neues Leben ein: Er erklärt ihr, wie das Geisterleben abläuft, begleitet sie zu ihrem Begräbnis und ihrer Familie. Und will ihr helfen, ihren Mörder zu finden. Ganz allmählich verlieben sich beide ineinander und fühlen sich dabei sehr glücklich. Dann begegnen sie dem jungen autistischen Ivo, der Lillis Mörder zu kennen glaubt. Als Ivo stirbt, will er ihnen zusammen mit anderen Gespenstern helfen, Lillis Mörder zu stellen. Und sie finden ihn auch. Doch dann muss Lilli erkennen, dass auch ihr Leben als Gespenster endlich ist. Und Andrä verhält sich mit einem Mal so ganz anders. – Sein neuster Roman zeigt wieder, dass Kumpfmüller aus gutem Grund zu den besten zeitgenössischen Schriftstellern gezählt werden muss: Mit "Wir Gespenster" schreibt er einen ganz eigenen Roman über die Liebe, das Leben und das Menschsein, voller Empathie, in einem überaus subtilen Stil, mal voll leiser Romantik, mal philosophisch, mal mit filigranem Humor. Wer dieses Buch gelesen hat, wird es so schnell nicht mehr vergessen, denn es ist flüssig zu lesen, hintergründig, ergreifend, meisterhaft erzählt. Breit zu empfehlen!
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wir Gespenster
Michael Kumpfmüller
Kiepenheuer & Witsch (2024)
242 Seiten
fest geb.