Liberata und die unsichtbaren Dinge
Im Kalabrien der 1970er-Jahre flüchtet Liberata, eine junge Frau, die in einem kleinen kalabrischen Dorf lebt und sich dort zunehmend eingeengt fühlt, in die Welt der Fotoromane. Sie glaubt an Dinge, die man nicht sehen kann. Diese Vorstellung hat
sie von ihrem Vater übernommen, einem Automechaniker und Insektensammler, der ihr die Gesetze der Natur vermittelt hat. Ihre Mutter sucht dagegen Halt in der Religion. Eine entscheidende Veränderung in Liberatas Leben tritt ein, als Luvio, ein rätselhafter und verführerischer Mechaniker, plötzlich im Dorf auftaucht und sie in ihren Bann zieht. – Domenico Dara, selbst in Kalabrien geboren, siedelt die Handlung in den „Bleiernen Jahren“ an, als das Land von politischen Konflikten, Gewalt und Terror geprägt war, und verbindet somit die persönliche Geschichte Liberatas mit einem gesellschaftlichen Wandel. Sie ist keine typische Heldin, sondern eine junge Frau mit einer starken Vorstellungskraft, die ihren Platz in der veränderten Welt sucht. Dara hat einen atmosphärischen Roman über Liebe, Fantasie und gesellschaftliche Zwänge mit historischen Hintergründen geschaffen. Allen Leser:innen, die einen literarischen Roman mit ungewöhnlichen Figuren im gesellschaftlichen Wandel mögen, sehr zu empfehlen.
Elisabeth Kemper
rezensiert für den Borromäusverein.
Liberata und die unsichtbaren Dinge
Domenico Dara ; aus dem Italienischen von Anja Mehrmann
Kiepenheuer & Witsch (2026)
491 Seiten
fest geb.