Home before dark
Eines Winternachts im Jahr 1967 verschwand Marsibils ältere Schwester Kristin spurlos in der Nähe ihres kleinen Heimatdorfes. Marsibil, die seit langem in Reykjavík wohnt, plagt seitdem ihr schlechtes Gewissen, da sie meint, eine Mitschuld an der
Tragödie zu haben. Am gleichen Abend hatte sie sich als ihre große Schwester ausgegeben, um sich mit ihrem geheimen Brieffreund zum ersten Mal zu treffen, aber er ist nicht aufgetaucht. Ist er für Kristins Verschwinden verantwortlich? Jetzt, zehn Jahre später, möchte Marsibil vor Ort endlich Licht ins Dunkel bringen und herausfinden, was wirklich passiert ist. Sie nimmt mit Kristins alten Freunden und Freundinnen Kontakt auf und lernt zudem einen Journalisten kennen, der die Geschichte Marsibils aufrollen möchte, da die Polizei damals angeblich nicht sauber gearbeitet hat. Ihre Eltern dagegen wollen lieber Gras drüber wachsen lassen, antworten auf Marsibils ständige Fragen ausweichend und verhalten sich ihr gegenüber feindselig. Im Zuge ihrer Privatermittlungen kommt Marsibil einem tragischen Familiengeheimnis auf die Spur. – Wie in ihrem vorherigen Thriller („Verlassen“, BP/mp 25/703), erzeugt Ægisdóttir erneut eine gruselige Stimmung von Misstrauen und Angst im allerengsten Kreis. Wer Psychothriller mit düsterer Grundstimmung, unheimlicher Atmosphäre, tiefgründigen, verschlossenen Charakteren und einem wirklich überraschenden Ende mag, ist hier goldrichtig.
Maria Holgersson
rezensiert für den Borromäusverein.
Home before dark
Eva Björg Ægisdóttir ; aus dem Isländischen von Freyja Melsted
Kiepenheuer & Witsch (2026)
407 Seiten
kt.