Landgeschichten
Lady Mona Roughton vermietet Zimmer ihres heruntergekommenen Herrenhauses Easley House in den Cotswolds, vorwiegend an betuchte Amerikaner. Sie betreibt ihr kleines Unternehmen mit Hilfe eines Gärtners und ihres Adoptivsohns Wilfred, einem schwarzen
jungen Mann mit australischen Wurzeln. Rhonda und Ernie Blaylock aus North Carolina haben ihre Silberhochzeit längst hinter sich und wollen auf Easley House ein Wochenende mit britischem Charme verbringen. Die Ehe der beiden steht allerdings unter keinem guten Stern. Ernie verprügelt seine Frau regelmäßig. Rhonda hat bisher nicht den Mut gefunden, ihn zu verlassen. Mit einem neuen Veilchen im Gesicht vertraut sie sich Mona an, und die beiden Frauen schmieden einen Plan. Während Rhonda sich im Gebäude versteckt, erzählt die Lady dem ungläubigen Ehemann, seine Frau sei abgereist. - Neben der Selbstfindungsgeschichte von Rhonda begegnen die Lesenden Maupins Figuren aus früheren Romanen, wie Monas Mutter Anna oder Michael Tolliver. Gesellschaftskritisch schreibt Maupin über Feindlichkeit gegenüber queeren Personen, über HIV und die zahlreichen Opfer, über Vorurteile und Dünkel. Sein skurriler Humor und explizite sexuelle Szenen verlangen eine aufgeschlossene Leserschaft. Wer sich darauf einlassen kann, den erwartet ein frecher Lesespaß.
Susanne Emschermann
rezensiert für den Borromäusverein.
Landgeschichten
Armistead Maupin ; aus dem Englischen von Michael Kellner und [einer weiteren]
Kindler (2024)
271 Seiten
fest geb.