Aylas Lachen

Aus der Perspektive von Enkeltochter Ayla ist der anatolische Großvater Mesut ein Fantast, ein großbäuerlicher Geschichtenerzähler. Dank seiner fleißigen Frau Efsane, die schon mit 36 Jahren verstirbt, kann er sich einige Jahre trotz viel Raki Aylas Lachen Renommee im Dorf erarbeiten. Tochter Hava, Aylas Mutter, übernimmt die Familienversorgung, bis sie sich – nach einer Fluchtepisode mit einem vom Vater nicht akzeptierten Mann – mit einem in Friedrichshafen arbeitenden ehemaligen anatolischen Ziegenhirten verheiratet lässt. Beide leben das bekannte, möglichst unauffällige Leben als Türken in Deutschland, mit einem langen Sommerurlaub "zuhause". Ihren Kindern, die bald durch ihre besondere intellektuelle Begabung im deutschen Schulwesen auffallen, haben die Eltern wenig zu sagen. Hava und ihrem Mann gelingt es nicht, ihre teils schweren Traumata aus den Herkunftsfamilien und den ersten Ehen miteinander zu verarbeiten. Hava erarbeitet sich mit Aylas wesentlicher Unterstützung Schritte in der deutschen Sprache und übernimmt die Organisation der kleinen Familie. Erst als Hava nach Scheidung, eigenem Führerschein und Auto zu einer Reise mit den erwachsenen Kindern zu ihrem Vater aufbricht, gelingt ihr eine Befreiung ins Leben. – Koppelstätter bietet einen recherchestarken, aber thematisch überambitionierten Roman, der literarisch nicht überzeugt. Die vielen (richtigen) Details über den kommunistischen ersten Freund Havas bis zu den Brandanschlägen in Hoyerswerda und Solingen erdrücken die Fantasiewelten des Großvaters als Überlebensmodell. – Vielleicht für größere Bestände.

Rolf Pitsch

Rolf Pitsch

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Aylas Lachen

Aylas Lachen

Lenz Koppelstätter
Rowohlt Kindler (2025)

366 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 623307
ISBN 978-3-463-00066-4
9783463000664
ca. 24,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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