Atalanta

Jennifer Saint schafft es mit diesem Buch, einen einzigartigen Blickwinkel auf Heldenreisen im antiken Griechenland zu offenbaren. Die Grundstimmung des Romans ist dabei bei Weitem nicht so euphorisch wie man es erwarten würde. Stattdessen wird die Atalanta harte Arbeit, der Druck, sich beweisen zu müssen, und das Ausgeliefertsein gegenüber der Gunst der Götter in den Vordergrund gerückt. Aus Atalantas Perspektive wirken die Helden und ihre Geschichten dadurch um ein Vielfaches menschlicher und tragischer als sie sonst in glorreichen Erzählungen geschildert werden. Durch diese realistischere Darstellung ist vor allem Atalanta um einiges nahbarer, was es den Lesenden ermöglicht, emotional mit ihr mitzufühlen. Statt auf mitreißende, actionreiche Szenen setzt die Autorin deshalb erfolgreich auf die Spannung, die durch die zwischenmenschlichen Beziehungen erzeugt wird. Zusätzlich wird die Unfähigkeit der damaligen Gesellschaft, mit einer so starken und unabhängigen Frau umzugehen, eindrücklich geschildert. Vor allem im letzten Teil wird evident, dass es für die unverheiratete Atalanta kaum eine Möglichkeit geben dürfte, erfolgreich am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. - Die Autorin nimmt sich hier einige Freiheiten gegenüber dem ursprünglichen Mythos heraus und schafft so eine feministische Neuinterpretation der Geschehnisse, für die sie bereits aus ihren anderen Romanen ("Ich, Ariadne" BP/mp 22/447, "Elektra, die hell Leuchtende", BP/mp 23/167) bekannt ist. Auch diese ist sehr gelungen, weshalb das Buch sehr weiterzuempfehlen ist.

Agnes Schmidtner

Agnes Schmidtner

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Atalanta

Atalanta

Jennifer Saint ; aus dem Englischen von Simone Jakob und [einer weiteren]
List (2023)

383 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 752728
ISBN 978-3-471-36075-0
9783471360750
ca. 24,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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