Die Straße
Josef ist Einzelkind und lebt mit seiner alleinerziehenden Mutter zusammen. Sie haben nicht viel und seine Mutter arbeitet ununterbrochen. Josef vermisst das Gefühl von Gemeinsamkeit und Geborgenheit, dass er bei anderen Kindern mit ihren Verwandten
manchmal sieht, besonders bei der Familie Mansour. Die Mansours sind eine Großfamilie und kontrollieren mafiös das Viertel, in dem Josef und seine Mutter wohnen. Nichts Wichtiges passiert ohne ihr Wissen und überall verdienen sie ihr Geld. Wer ihnen in die Quere kommt, muss mit schwerwiegenden und schmerzhaften Konsequenzen rechnen. Josef weiß, dass das nicht richtig ist, aber er beneidet sie um den Zusammenhalt. Als er und sein Freund Omar dem Clan aufgrund einiger dummer Ideen allerdings Geld schulden, hat er keine Wahl mehr. Er muss für sie arbeiten und steigt in das Drogengeschäft ein. Immer tiefer gerät er in das Netzwerk. Kann er irgendwann wieder auf den Weg zurückfinden? – Trotz der düsteren Ausgangslage überzeugt das Werk vor allem durch die sehr eindrückliche Beschreibung der Realitäten auf der Straße. Besonders stark ist die emotionale Wirkung bei der Geschichte von Josef: Man fiebert mit ihm mit und spürt sein Leid, während er immer tiefer in die Abhängigkeit rutscht. Die Spannung baut sich dabei bis zum Ende kontinuierlich auf. Trotz der vielen Charaktere werden alle Figuren mit ihren eigenen Problemen und Hoffnungen gut greifbar gemacht. Zudem macht der Bezug auf reale Ereignisse die Geschichte besonders authentisch.
Julian Schirm
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Straße
Pascal Engman ; aus dem Schwedischen von Nike Karen Müller
Piper (2026)
Der Clan ; Band 1
569 Seiten
kt.