Die Schlafenden
Mit seinem Debütroman bricht Anthony Passeron das Schweigen seiner Familie über die Heroinsucht seines Onkels Désiré und die damit einhergehende Ansteckung mit dem AIDS-Virus. Schauplatz ist die ehemals erfolgreiche Metzgerei seiner Großeltern
in einem jetzt vergessenen Dorf zwischen den Bergen und dem Meer, zwischen Nizza und Digne in den 1980er-Jahren. Während sein Vater Jacques mit 15 Jahren in das Familiengeschäft einsteigt, geht sein Bruder Désiré in Nizza aufs Gymnasium und wohnt im Internat. Mit zwanzig bricht er mit einer holländischen Reisegruppe auf nach Amsterdam. Jacques wird hinterhergeschickt, um ihn zurückzuholen. Bald muss er seinen Eltern eröffnen, dass Désiré regelmäßig Geld aus der Metzgereikasse stiehlt, für sein Heroin. Seine Mutter Louise lässt sich zwar vertraulich beim Arzt zu seiner Drogensucht beraten, doch gleichzeitig verklärt sie ihren Sohn und verweigert die Wahrheit. – In eingeschobenen Kapiteln werden die Entdeckung und Erforschung des AIDS-Virus behandelt, wobei die Konkurrenz zwischen französischen und amerikanischen Laboren zunächst die Zusammenarbeit erschwert. - Passerons autofiktionaler Roman ist ein Requiem auf seinen ausgegrenzten Onkel, dessen Frau Brigitte und ihre Tochter Émilie.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Schlafenden
Anthony Passeron ; Übersetzung aus dem Französischen von Claudia Marquardt
Piper (2024)
251 Seiten
fest geb.