Nachbeben
Die bis heute spürbaren drastischen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie, die zur Spaltung der Gesellschaft beigetragen haben, sind noch nicht systematisch aufgearbeitet. Eine Diskussion über die Berechtigung der massiven Eingriffe in die Freiheitsrechte
erscheint überfällig, um verlorengegangenes Vertrauen zurückzugewinnen. Der Bonner Virologe Hendrik Streeck will mit seinem Buch dazu einen Beitrag leisten. Er beleuchtet nicht nur die virologischen Aspekte, sondern hinterfragt auch die von der Politik in Abstimmung mit Expertengremien im Verlaufe der Pandemie getroffenen Entscheidungen (z.B. Maskenzwang, Lockdowns, Schulschließungen, Kontaktverbote, Impfpriorisierung und -pflicht). Das Schlusskapitel fasst die Lehren für die Vorbereitung auf künftig zu erwartende Infektionsausbrüche zusammen. Der Autor meldete sich während der Coronakrise mit gelegentlich vom Mainstream abweichenden Meinungen zu Wort und fungierte dabei quasi als medialer Gegenspieler zum omnipräsenten Christian Drosten. Diese Ausgangslage wird mit Sicherheit die Diskussion über die Thesen Streecks befeuern, zumal auch Christian Drosten jüngst unter dem Titel "Alles überstanden?" (BP/mp 24/1068) eine Bilanz der Pandemie vorgelegt hat. – Das gut lesbare und anregende Sachbuch kann als Diskussionsbeitrag zum Umgang mit der Krise allen Büchereien empfohlen werden.
Johann Book
rezensiert für den Borromäusverein.
Nachbeben
Hendrik Streeck ; unter Mitarbeit von Margret Trebbe-Plath
Piper (2024)
315 Seiten : Illustrationen
fest geb.