Die Erfindung der Sehnsucht

Im hohen Alter unterschreibt Lilli, eine durch 14 Erfolgsromane bekanntgewordene Schriftstellerin, den Vertrag für einen weiteren Roman: Die Tantiemen aus den Vorgängerbüchern fließen nicht mehr ausreichend, es muss des Geldes wegen sein – auch Die Erfindung der Sehnsucht der Verleger möchte sein Programm mit einem Werk der Erfolgsautorin seiner Mutter krönen. Dabei hat diese, die seit den 1968er Jahren mit ihren emanzipatorischen Büchern die Frauen ihres Alters ermutigte, seit mehr als einem Jahrzehnt nichts mehr publiziert. Mehr als ein Jahr ist ohne eine Manuskriptseite vergangen und Lilli ergreift den Hoffnungsstrohhalm einer von den Kapverden stammenden Haushaltshilfe, sich in deren Heimatland inspirieren zu lassen. Lilli kommt für einfaches Geld bei der alleinerziehenden Isabel und ihrem zehnjährigen Sohn Luis unter. Mit ihnen lernt sie die Insel, ihr Leben und ihre Zufriedenheit kennen. Wichtiger: Erstmals lässt Lilli sich von ihnen zu Erinnerungen an ihre Herkunft von Helgoland, wo sie während des Zweiten Weltkrieges geboren wurde, und dem Aufwachsen allein mit der Mutter im Hamburg der Nachkriegszeit erinnern. Und so findet sie tatsächlich nicht nur einen Stoff für Buch Nr. 15, sondern auch die Inspiration zum Schreiben. – Ein gut geschriebener, unterhaltsamer Roman, mit einigen Längen in der Mitte und einem abrupten Ende. Die lebensphilosophischen Gespräche zwischen Lilli und dem Zehnjährigen werden dessen Alter kaum gerecht.

Rolf Pitsch

Rolf Pitsch

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Erfindung der Sehnsucht

Die Erfindung der Sehnsucht

Tom Diesbrock
Piper (2025)

335 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 754935
ISBN 978-3-492-07365-3
9783492073653
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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