Was Demokratie ausmacht
Der Philosoph, Hochschulleiter und Ex-Politiker (SPD) Julian Nida-Rümelin möchte mit dem Buch eine "Summa" seiner wissenschaftlichen Arbeit im Bereich der Demokratietheorie vorlegen. Er analysiert dazu umfangreich das Wesen und den aktuellen Zustand
der Demokratie in der Bundesrepublik und leitet Anpassungsempfehlungen für "die Politik" ab. Ein wichtiger Referenzpunkt ist dabei eine "kosmopolitische Weltordnung, die auf globale Rechts- und Sozialordnungen baut". Zudem appelliert Nida-Rümelin an die Bürger, sich mehr als aktive Citoyens einzubringen denn als Bourgeois vom Rande aus zuzuschauen. Herausgekommen ist ein dicht gewobenes Werk, mit Elan werbend für ein Ideal der Demokratie als politischer Kultur und gesellschaftlicher Lebensform jenseits von Wahlen und Majoritäten. Allerdings wirkt die Gedankenführung recht verkopft, die Theorieanteile sind modellastig geraten. Ein omnipräsenter akademischer Jargon konterkariert den Anspruch im Vorwort, eine breite Leserschaft adressieren zu wollen. Die Verdopplung des Autorenteils auf knapp 340 Seiten mittels simpler Anfügung dreier eigener Studien (2021 – 2023 verfasst) führt zu etlichen Redundanzen. Am Ende bleibt die Gedankenwelt des Autors abstrakt, auch weil Umsetzungsoptionen in die politische Praxis rar gesät sind. Das Buch eignet sich am ehesten für Lehrkräfte gesellschaftspolitischer Fächer zur Unterrichtsgestaltung sowie als Theoriefundus für politisch Interessierte. Für große Bestände.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Was Demokratie ausmacht
Julian Nida-Rümelin
Piper (2025)
347 Seiten
fest geb.