Die Schwestern
Als Fünfjähriger hört der Ich-Erzähler Jonas erstmals etwas von den Mikkola-Schwestern Ina, Evelyn und Anastasia, die sieben Jahre später, 1991, mit ihrer Mutter in seine Nachbarschaft ziehen. Über 30 Jahre verfolgt Jonas das Leben der in Schweden
geborenen mysteriösen Schwestern, die untereinander nur Englisch sprechen und sehr unterschiedlich sind. Die angepasste Ina führt bald ein bürgerliches Ehe- und Familienleben, die extrovertierte Evelyn, in die der Ich-Erzähler verliebt ist, macht sich mit erfundenen Geschichten beliebt, und die instabile Anastasia wird drogenabhängig. Khemiri setzt das Leben seines Ich-Erzählers abwechselnd mit dem der sensibel gezeichneten Schwestern in Beziehung und erkennt dabei familiäre Gemeinsamkeiten. Sie alle haben je ein tunesisches Elternteil und fliehen auch räumlich vor einem Fluch. Der gleiche Name von Autor und Ich-Erzähler lässt vermuten, dass Khemiri Autobiografisches in die Story hat einfließen lassen. Er lässt vieles im Ungewissen und thematisiert damit die Unzuverlässigkeit des Erzählens von Realität. Für das Verständnis der Gespräche der Schwestern untereinander sind grundlegende Englischkenntnisse vonnöten. Sehr empfehlenswerte Lektüre.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Schwestern
Jonas Hassen Khemiri ; aus dem Schwedischen von Ursel Allenstein
Rowohlt (2025)
731 Seiten
fest geb.