Schön, dass du da warst
Mit diesem autofiktionalen Erinnerungsroman verabschiedet sich die Ich-Erzählerin von ihrer Großmutter, die über 100 Jahre alt geworden ist. Die Beziehung zwischen den beiden Frauen war einerseits sehr vertraut, aber auch von Konflikten und Verletzungen
geprägt. Die Handlung springt immer wieder von der Gegenwart in die Vergangenheit. Die Enkelin lebte als Kleinkind bei der Oma, weil die leibliche Mutter an Krebs verstorben war und der Vater sich erst um sie kümmern konnte, als sie im Schulkind-Alter war. Wo früher das Kind auf die Fürsorge der Großmutter angewiesen war, ist es jetzt umgekehrt. Bei den lose aneinandergereihten Alltagssituationen geht es weniger um die Handlung als vielmehr um die damit verbundenen Emotionen. Das Buch erzählt nicht nur von Erinnerungen, sondern reflektiert zugleich die Unverlässlichkeit der eigenen Wahrnehmung im Laufe der Zeit. Es ist ein versöhnliches literarisches Dankeschön an eine resolute, pflichtbewusste Frau, die verschiedene historische Epochen erlebt hat, von der NS-Zeit über die Nachkriegsjahre bis hin zur Gegenwart.
Franziska Knogl
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Schön, dass du da warst
Eva Sichelschmidt
Rowohlt Hundert Augen (2026)
271 Seiten
fest geb.