Der Teufel
In seinem neuesten autobiografisch-fiktionalen Roman beschreibt Andreas Maier das Leben in der westdeutschen Provinz der 70er und 80er Jahre als einen Zustand des ständigen "Entweder-oder". Es gibt nur Gut oder Böse, u.a. die Gegensatzpaare BRD-DDR,
katholisch-evangelisch, links-rechts usw. Und es gibt die "Tagesschau" als medialen Bewahrer und Unterstützer dieser Kategorisierung etwa bei den beiden Irak-Kriegen oder beim jugoslawischen Bürgerkrieg. In dieser Zeit wird der junge Andreas erwachsen und erlebt vom "Blauen Bock", dem ersten Sex bis zum Fall der Mauer alles persönlichst betroffen mit. – Andreas Maier ist zu Recht einer der renommiertesten Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur, "Der Teufel" ist der zehnte und vorletzte Band seines Romanprojektes "Ortsumgehung", Kenntnisse früherer Titel sind aber nicht erforderlich. Maier zeichnen seine einfach-klare und schnörkellose und daher auch leicht lesbare Sprache aus, fast noch mehr aber sein – gerne auch drakonischer – Humor, eher selten bei dieser literarischen Qualität. – "Der Teufel" ist ein begeisternder Roman, nach dessen Lektüre man gespannt auf den Abschlussband "Der liebe Gott" wartet ... – Büchereien können mit diesem Buch nicht nur, aber vor allem den eher seltenen männlichen Belletristik-Lesern, die die 70er und 80er miterlebt haben, ein Highlight anbieten – und die Vorgängerbände (zuletzt: "Die Familie": BP/mp 19/941) sind – sofern in der Bücherei nicht vorhanden – alle in der Onleihe verfügbar! Absolute Empfehlung!
Michael Sanetra
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Teufel
Andreas Maier
Suhrkamp (2025)
247 Seiten
fest geb.