Wer möchte nicht im Leben bleiben
Mit den Mitteln einer historischen Recherche, der Dokumentation und des Dialogs untersucht die Ich-Erzählerin das Leben der hochbegabten Pianistin „Christina“ in der DDR, die sich mit 25 Jahren das Leben nahm. Der Schreibstil ist etwas schwierig,
denn es spricht eine Erzählerin, die retroperspektiv Quellen betrachtet, einordnet und dabei auch immer wieder deutlich macht, dass sie die Fundstücke und das Leben ihrer Hauptfigur auf sich selbst beziehend interpretiert. Nichtsdestotrotz lässt sich das Buch flüssig lesen, zeigt Alltag nach dem Mauerbau auf dem Land der DDR, aus dem Internatsleben in Berlin und beschreibt Moskau und das dortige Tschaikowski-Konservatorium als Höhepunkt und Zentrum einer trotz Beengtheit schillernden Welt. Denn auch wenn die Geschichte mit dem bereits zu Beginn feststehenden Tod der Pianistin endet: der Erzählstil feiert das Leben mit all seinen Facetten. Zu Recht war das Buch deshalb 2026 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert. Das Hauptthema des Buches ist der Selbstmord von Christina, er steht von der ersten Seite an als Schatten im Raum. Die Erzählerin zeigt auf vielen Ebenen, wie sehr Krankheit, Druck, Perfektionismus und vor allen Dingen Unfreiheit der jungen Pianistin jede Hoffnung genommen haben müssen – was den Selbstmord zwar nicht erträglicher, aber verzeihbar macht. So wird der Protagonistin Jahrzehnte nach ihrem Tod Würde und Licht wiedergegeben.
Janina Dillig
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wer möchte nicht im Leben bleiben
Helene Bukowski
claassen (2026)
379 Seiten
fest geb.