Zeit ihres Lebens
Frieda und Georg leben mehr oder weniger zufrieden, aber unglücklich ihren Alltag: Frieda als alleinlebende enddreißigjährige Grundschullehrerin, Georg als verheirateter Handelsreisender für medizinische Geräte, fünf Tage unterwegs, 2 Tage bei
Frau und Kind. Während eines starken Regens treffen sie Anfang der 1980er Jahre aufeinander, finden Schutz unter einem Schirm, verlieben sich ineinander auf den ersten Blick und trennen sich ohne Kontaktdaten oder -vereinbarung. Nach einem Jahr ständigen Aneinanderdenkens suchen und finden sie sich, Frieda schlägt als Beziehungsregel vor: Sie sind zusammen, wenn Georg auf seiner Handelsreise viermal im Jahr für drei oder vier Tage in ihrer Stadt ist. Dieses Leben gelingt rund 20 Jahre. Diese Tage tragen beide durch ihren Alltag. Ihre Umwelt schöpft keinen erkennbaren Verdacht. Als Georg als Endfünfzigjähriger entlassen wird, bricht dieses Leben ab. Nur Telefonate sind ohne Aufsehen möglich, beide fügen sich in ihre Einsamkeit. Bis Frieda früh an Demenz erkrankt, Georg sie nicht mehr erreicht, aber ein letzter Besuch im Heim möglich ist. – Eine stille, unspektakulär romantische Geschichte eines (vielleicht) ungewöhnlichen Liebeslebens. Die Kontakt- und Kommunikationsmöglichkeiten der 1980er Jahre scheinen wie aus der Zeit gefallen.
Rolf Pitsch
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Zeit ihres Lebens
Dirk Gieselmann
Ullstein (2025)
223 Seiten
fest geb.