Ethische Intelligenz
Der Philosophiedozent sieht die Notwendigkeit einer „Ethischen Intelligenz“. Diese besteht darin, die KI weder als Gegner noch als Erlöser zu begreifen, sondern als Mitspieler in einer neuen Co-Evolution von Mensch und Maschine, bei der Ethik
nicht nur angewandt, sondern gelebt wird. Dieser Ansatz braucht die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Disziplinen. Er sieht gerade Europa in der Pflicht, eine „Neue Aufklärung“ mit auf den Weg zu bringen. – Neben all den Untergangsszenarien, die im Zusammenhang mit KI im Umlauf sind, ist Gabriels Ansatz fast schon wohltuend. Ob und wie das Ganze gegen die Macht der Konzerne und autoritäre Regierungen überhaupt durchsetzbar ist, lässt der Autor leider unangetastet, genau wie die Frage, auf welcher ethischen Grundlage die „Ethische Intelligenz“ basieren soll. Der mitunter sehr abstrakte Stil trägt nicht eben zum Lesefluss bei. Alles in allem ein sehr lohnenswerter Denkansatz – aber wohl eher geeignet für Philosophieseminare an der Universität oder in sehr großen KÖB. Mit ähnlichen Vorstellungen konkreter: Loff: Das geht nicht mehr weg.
Thomas Oberholthaus
rezensiert für den Borromäusverein.
Ethische Intelligenz
Markus Gabriel
Ullstein (2026)
190 Seiten
fest geb.