Wind in meinem Kopftuch
Roya ist in Deutschland aufgewachsen und spricht kein Farsi. Doch immer wieder sucht sie nach ihrer Identität, fühlt sich zerrissen zwischen dem ihr bekannten Deutschland und dem unbekannten Iran, der Heimat ihres Vaters. Als ihr Vater überraschend
stirbt, erinnert sie sich an ihre einzige Reise in den Iran, bei der sie zusammen mit ihm nach ihren Wurzeln suchte. Als lesbische, selbstbewusste Frau erfüllt sie alle Kriterien, ins Visier der Sittenpolizei zu geraten, und schildert in eindrucksvollen Zeichnungen, wie sie sich unter dem Schleier verstecken muss und dabei auch einen Teil ihrer Identität aufgibt. Packender als mit vielen Worten gelingt es der Künstlerin, die Gefühle durch ihre Zeichnungen dem Lesenden zu vermitteln – emotional, aber nie in Kitsch abgleitend. Es ist zwar die ganz persönliche Geschichte der Deutsch-Iranerin, trifft dabei aber allgemeine Probleme von Menschen, die einen Teil ihrer Wurzeln verloren haben – und trägt im besten Fall dazu bei, Menschen, vor allem Frauen, mit ähnlicher Biografie besser zu verstehen.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Wind in meinem Kopftuch
Roya Soraya
Carlsen Comics (2026)
183 Seiten : farbig
fest geb.