Al-Fazia' - Das Grauen
2010 begann der junge Syrer Akram Al Saud ein Architekturstudium in Aleppo. Wegen seiner kritischen Einstellung zum Assad-Regime wurde er bereits früh vom syrischen Geheimdienst verhaftet, gefoltert und monatelang eingesperrt. Während des arabischen
Frühlings schloss er sich dem Widerstand an und machte bald erneut Bekanntschaft mit den grauenvollen Zuständen in den der Öffentlichkeit zumeist unbekannten Haftanstalten verschiedener syrischer Geheimdienstzweige, bis ihm Anfang 2016 die abenteuerliche Flucht in die Türkei und quer durch Europa in die Niederlande gelang. – Al Saud erzählte seine Lebens- und Leidensgeschichte dem deutschen Comic-Künstler Tobi Dahmen im Rahmen eines kanadischen Forschungsprojektes, das Überlebende staatlicher Gewalt mit Kunstschaffenden zusammenbringt. Die zahlreichen Begegnungen zwischen den beiden und die Gespräche, zumeist in Cafés in Den Haag, über einen längeren Zeitraum bilden so auch die Rahmenhandlung für die retrospektiven Erzählabschnitte. Gemeinsam mit Al Saud hat Dahmen die Bildfolgen entwickelt, die sich in düsterer Farbgebung visuell an das Grauen der dortigen Foltermethoden und Gefängnisse annähern, ohne den Lesenden damit zu überfordern und allzu sehr zu schockieren. Ein umfangreicher Textteil im Anschluss an die Bilderzählung dokumentiert den Entstehungsprozess dieser Graphic Novel und gibt Hintergrundinformationen zur politischen Situation in Syrien, für die es nach dem Sturz Assads Ende 2024 Hoffnung auf eine bessere Zukunft gibt. Al Sauds Schicksal steht exemplarisch für viele Syrer, die seit 2011 ihre Heimat verlassen mussten. Ein wichtiges, Verständnis weckendes Buch für viele Büchereien.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Al-Fazia' - Das Grauen
Tobi Dahmen ; Akram Al Saud
Carlsen Comics (2026)
120 Seiten : farbig
fest geb.