Missitalia
In der 2. Hälfte des 19. Jh., zur Zeit der Freiheitskämpfe, lebt im abgeschiedenen Val d'Agri Amalia Spada, kinderlos, tollkühn, ungebunden und unkonventionell. Sie bietet Durchreisenden ein Dach über dem Kopf, Untergrundkämpfern ein Versteck
und Waisenmädchen ein Zuhause. Diese "Niemandstöchter" wachsen zu einer ungestümen, zügellosen und rachsüchtigen Bande heran. 1954 kommt Ada, eine junge Frau aus Rom, mit einer Forschungsgruppe ins Val d'Agri, um ethnoanthropologische Studien durchzuführen. Ada kennt das Tal, aus dem ihre Mutter stammt, von Besuchen während ihrer Kindheit. Nun arbeitet sie mit an Dokumentationen über die Magie und das Mysterium in der Region. Da Ada Zugang zu Informationen und Kontakte zu wichtigen Leuten hat, wird sie als Spionin angeheuert. Ein Jahrhundert später ist das Val d'Agri der Hauptsitz der Mediterranen Weltraumbehörde. Als leitende Archivarin registriert A. den Inhalt von Zeitkapseln, die man an verschiedenen Stellen auf der Erde gefunden hat. Sie entdeckt die Aufnahmen, die Ada während ihres Forschungsprojekts vor mehr als hundert Jahren gemacht hat, und einen besonderen Stein aus dem Umfeld Amalias. So schließt sich der Kreis um die drei außergewöhnlichen Frauen: Amalia, Ada und A. – In poetischer, bildhafter Sprache verfasst die Autorin einen atmosphärisch dichten Text, belässt es aber oft bei Andeutungen und macht es nicht einfach, den Handlungssträngen zu folgen. Nichtsdestotrotz ist "Missitalia" ein lohnendes, empfehlenswertes Lektüreerlebnis.
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
Missitalia
Claudia Durastanti ; aus dem Italienischen von Annette Kopetzki
Paul Zsolnay Verlag (2026)
396 Seiten
fest geb.