Die Fremde

Die Autorin erzählt ihre eigene außergewöhnliche Geschichte. Sie ist das Kind gehörloser Eltern. Die Tochter lernt mühsam mit der Situation umzugehen. Die Familie – es gibt auch einen Bruder – wandert nach New York aus, wo die Tochter zur Die Fremde Welt kommt. Sie bringt sich die Sprache der Gehörlosen mühevoll selbst bei. Die Familie wird in den USA nicht nur wegen der Gehörlosenproblematik nicht glücklich und kehrt wieder nach Italien zurück, in den Süden des Landes. In der Region Basilicata, einer rückständigen, verarmten Gegend, muss die Tochter nun wieder eine Sprache lernen, auch die Gebärdensprache ist anders als in Übersee. Wie in Amerika erlebt sie nun auch in der neuen ihr unbekannten Heimat die Fremdheit, ihr Anderssein wegen ihrer Eltern. Sie ist nicht Claudia, sie ist immer die Tochter der Stummen. Es geht hauptsächlich um die Beziehung zur Mutter und deren Ansprüche, Bedürfnisse, und wie die Tochter indem schwierigen Feld rebelliert, ohne die Pflichten, die Betreuung der Mutter zu vernachlässigen. Die Geschichte enthält groteske Passagen und gefühlvolle Beschreibungen der Alltäglichkeiten. Das Buch, erstmals 2021 im Wiener Zsolnay Verlag auf Deutsch erschienen, ist außergewöhnlich, sowohl was die Sprache als auch die Handlung angeht. Es sind aneinander gereihte Themenkapitel ohne chronologische Abläufe. Aber es ist eine sehr eingängige, teils humorige und berührende Geschichte, die ob ihrer Besonderheit durchaus Beachtung und eine zahlreiche Leserschaft verdient.

Erwin Wieser

Erwin Wieser

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Fremde

Die Fremde

Claudia Durastanti ; aus dem Italienischen von Annette Kopetzki
Verlag Klaus Wagenbach (2026)

282 Seiten
kt.

MedienNr.: 755813
ISBN 978-3-8031-2887-4
9783803128874
ca. 15,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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