Freiwürfe mit einem Diktator
Sportlehrer Frank Bichsel aus dem Schweizer Elite-Internat „Distelberg“ steht kurz vor der Pensionierung. Sein Briefträger bringt ihm völlig überraschend eine Einladung des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-un, ihn in Pjöngjang zu besuchen.
Frank erinnert sich, dass er vor 30 Jahren einem pummeligen 13-jährigen Teenager im Basketball gecoacht hat. Er überlegt ernsthaft, die Einladung anzunehmen. Dagegen spricht, dass seine Mutter Lilly gerade am Sterben liegt. Er besucht sie täglich und erzählt ihr, die an Politik sehr interessiert ist, die abenteuerlichsten, erfundenen Geschichten über Nordkorea. Die Mutter hört zu und lebt auf. Sie glaubt sogar, dass ihr Sohn den Diktator zur Vernunft bringen könnte. Renee, Franks radikale und unberechenbare Lebenspartnerin, will Kim töten. Bichsel fühlt sich auf jeden Fall schuldig, weil er einst einen zukünftigen Diktator als Coach betreut hat. Er findet aber nicht die Kraft zu dieser Reise nach Nordkorea, zieht sich ins Private zurück, kniet neben Mutters Bett, nimmt mit ihr Morphium und möchte am liebsten wieder in ihren Bauch zurück. Der Autor Tom Kummer löste einst einen Medienskandal wegen fiktiver Interviews aus, inzwischen wird er von der Kritik gefeiert.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Freiwürfe mit einem Diktator
Tom Kummer
Tropen (2026)
223 Seiten
fest geb.