Die Reise ans Ende der Geschichte
Anfang der neunziger Jahre ist Jakob Dreiser ein gefeierter Dichter. Mit Willy Brandt und Helmut Kohl stand er nach dem Mauerfall an der Berliner Mauer und las aus seinen Gedichten. Bei einer Party in der russischen Botschaft in Rom lernt er Dieter
Germeshausen kennen. Germeshausen arbeitet für den BND, aber durch den Fall des Eisernen Vorhangs und den Untergang der Sowjetunion ist er so gut wie arbeitslos. Da der BND (aus seiner Sicht) seine Arbeit (Überläufer verstecken) nicht zu schätzen wusste, hatte er sich irgendwann auch dem KGB als Informant angedient. Es sei jetzt nur noch eine Frage der Zeit, glaubt Germeshausen, bis er enttarnt würde. Deshalb will er noch ein richtig großes Ding drehen. Dabei setzte er auf Jakob Dreiser, der nicht nur ein erfolgreicher Dichter ist, sondern auch ein beliebter Gesprächspartner, der jeden, wirklich jeden zum Reden bringt. Und genau so ein Talent braucht er für sein Vorhaben, das Jakob und ihn nach Kasachstan führen wird. – Kristof Magnusson hat einen verrückten, aus der Zeit gefallenen Spionageroman geschrieben (dessen Titel übrigens wörtlich zu nehmen ist) und ihn mit sehr lebendig wirkenden Figuren ausgestattet, mit denen man sich gerne in das fragwürdige Abenteuer dieser Reise nach Kasachstan stürzt. Empfehlenswert.
Christoph Holzapfel
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Reise ans Ende der Geschichte
Kristof Magnusson
Klett-Cotta (2026)
283 Seiten
fest geb.