Traumland
Der langjährige Leiter der Ressorts Feuilleton und Literatur bei der Wochenzeitung "DIE ZEIT" resümiert seinen Lebensweg als ein Pendeln zwischen Europas Osten und Westen. Seine Eltern emigrierten mit dem damals Fünfjährigen Mitte der 1970er Jahre
aus Polen in die Bundesrepublik, Die Verbindungen in die alte Heimat wurden gepflegt und so kann der Autor sein Erleben der letzten 45 Jahre aus beiden Weltsichten schildern. Besonders eindringlich, weil an das Traumland der Kindheit und Jugend erinnernd, sind Alltagsszenen. Seien es Werbeclips, Popmusikalisches, Jugendcodes der Achtziger, Familiäres oder Üblichkeiten im Bürgertum der Nach-Wendezeit. Der Autor trifft einen Ton aus Wehmut, Belustigung und nüchterner Dokumentation, der gerade Leser seiner Altersklasse ansprechen dürfte. Stilistisch überaus gefällig, am Ton journalistischer Essays ausgerichtet, sind die 17 chronologisch aufeinander aufbauenden Kapitel leicht verdaubar portioniert. Die immer mal wieder eingeflochtenen Wertungen der Zeitgeschichte liegen auf der als bekannt vorausgesetzten redaktionellen Linie der ZEIT. Gleiches gilt für die gelegentliche Verbeugungen vor dem Zeitgeist unserer Tage. Um der alten Zeiten willen: Lesenswert.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Traumland
Adam Soboczynski
Klett-Cotta (2023)
169 Seiten
fest geb.