Geister der Gegenwart
Die Philosophen Theodor W. Adorno, Susan Sontag, Michel Foucault und Paul K. Feyerabend bestimmen die Ideenwelt der 50er und 60er Jahre. Ihre ideologie-kritische Analyse der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft bereitet die 68er Bewegung vor.
Aber es gibt auch die Menschen hinter diesen berühmten Namen. Wolfram Eilenberger, Philosoph, Sachbuchautor und Moderator (Jg. 72), nennt sein Buch deshalb einen "Entwicklungsroman". Er geht ausführlich auf die jeweiligen philosophischen Positionen ein, beschreibt aber auch die persönlichen, oft zerrissenen Lebensumstände. Adorno ist Deutscher, der die Kriegszeit in Amerika verbrachte; Susan Sontag ist Amerikanerin mit engem Bezug zu Thomas Mann; Michel Foucault ist Franzose und Paul Feyerabend Österreicher. Vier sehr unterschiedliche Denker werden zusammengeführt. Ein Anliegen eint sie: die Aufarbeitung des Nationalsozialismus, das Anknüpfen an die Werte vor dem Zweiten Weltkrieg, der Kampf gegen jeglichen Totalitarismus in der Zukunft. Der selbstdenkende Mensch, der sich des eigenen Verstandes bedient, muss das Ziel sein. Für die Zukunft ist die Erneuerung der Aufklärung ohne Alternative. Der Autor bezeichnet das Buch als sein "Zeugnis einer Befreiung". Er will die Philosophie aus ihrer momentanen akademischen Begrenztheit befreien und dem selbstdenkenden, mündigen Menschen öffnen. Angesichts der jetzigen politischen Verhältnisse ist dem Autor eine breite Leserschaft zu wünschen. Der Leser sollte Interesse an Philosophie und Zeitgeschichte haben.
Renate Feldmeyer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Geister der Gegenwart
Wolfram Eilenberger
Klett-Cotta (2024)
492 Seiten
fest geb.