Das Buch des Krieges
Im Jahr 1940 ist der Zweite Weltkrieg in vollem Gange. Nazideutschland siegt an allen Fronten, und Mussolini will unbedingt an den Erfolgen teilhaben. Aber Hitler und seine Generäle trauen den Italienern, die gerade mit ihrem Angriff gegen Griechenland
ein Fiasko erlebt haben, nicht besonders viel zu. Deutschland muss selbst gegen Griechenland und gegen dessen verbündete Engländer vorgehen. Immerhin verbleibt das schon früher eroberte Albanien erst mal unter Italiens Herrschaft. Mussolini trifft sich wiederholt mit Hitler, der sich den Vorstellungen des Faschisten aber immer wieder entgegenstellt. Als 1941 Russland angegriffen wird, schafft es Mussolini, mit in den Krieg zu ziehen. Etliche Divisionen werden in Russland, hauptsächlich im Südosten eingesetzt und letztlich fast vollständig vernichtet. Mit zunehmenden Misserfolgen auch der deutschen Militärmaschinerie, den Bombardierungen deutscher und italienischer Städte, der Landung der Alliierten in Nordafrika, beginnen die Italiener allmählich zu ahnen, dass Mussolinis Festhalten an Hitler ein übles Ende nehmen dürfte. Schließlich wird 1943 der große faschistische Rat einberufen, bei dem Mussolini abgesetzt wird. – Der Autor hat in diesem Buch den Verlauf des Zweiten Weltkrieges aus dem Blickwinkel der Italiener bis 1943 ziemlich ausführlich dargestellt, zumindest da, wo die italienischen Truppen involviert waren. Im Blickwinkel des Autors wurden nicht nur die Angegriffenen, sondern auch die italienischen Soldaten durch schlechte Ausrüstung und vor allem schlechte Führung zu Opfern gemacht. Entgegen den Texten in den vorhergehenden Bänden ist die Sprache hier nun eher durchgehend sachlich, stringent. Der sarkastische, zuweilen spöttische Tenor ist, vielleicht angesichts der grausamen Kriegsgeschehnisse, nicht mehr zu erkennen. Ein ausführliches Personenregister der Hauptfiguren ist auch hier wieder hilfreich. – Ein Buch, das vor allem geschichtsinteressierter Leserschaft ans Herz gelegt werden kann.
Erwin Wieser
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Buch des Krieges
Antonio Scurati ; aus dem Italienischen von Verena von Koskull und [einem weiteren]
Klett-Cotta (2024)
M
666 Seiten
fest geb.