Die Geister von La Spezia
Mit Hilfe eines technischen Gerätes ist Pat in der Lage, in die Erinnerungen anderer Menschen einzutauchen. Als der Dichter Percy Shelley 1822 vor der ligurischen Küste ertrinkt, wird sie von Percys Vater nach Genua geschickt, um herauszufinden,
ob seine Schwiegertochter etwas mit dem Tod seines Sohnes zu tun hat. Pat taucht mit Marys Einverständnis in deren Erinnerungen ein und erlebt auf diese Weise Shelleys Freundeskreis hautnah, zu dem auch Lord Byron gehört. Immer tiefer versinkt Pat in Marys Welt, wobei sie an privaten Tragödien Marys und deren Freunden teilhat, immer auf der Suche nach dem 'Derelikt', dem verdrängten Ereignis, das Aufschluss über die Hintergründe des Unglücks bringen kann. Plaschka zeichnet die zwischenmenschlichen Verhältnisse innerhalb des Freundeskreises von Percy Shelley und Lord Byron detailliert nach. Die berühmten Dichter und ihr Umfeld werden plastisch zum Leben erweckt – unterstützt von gelungenen Dialogen. Die dramaturgische Konstruktion – ein Leben in den Erinnerungen eines anderen Menschen – bietet spannende Möglichkeiten, ist jedoch mit zunehmender Komplexität immer schwerer nachzuvollziehen und verliert auch an manchen Stellen an Plausibilität. Leser:innen, die sich für Fantasy begeistern, genauso zu empfehlen wie Menschen, die sich für Mary Shelley interessieren.
Walter Brunhuber
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Geister von La Spezia
Oliver Plaschka
Klett-Cotta (2026)
415 Seiten : Karte
fest geb.