Der halbe Apfel
Pia lebt mit ihrem Sohn Janis in Wien, als nach sieben Jahren plötzlich Ben wieder vor der Tür steht und eine Bleibe braucht. Über Nacht hat Ben zwei Väter, denn eigentlich leben sie mit Vinz zusammen. Wie selbstverständlich nimmt Ben als leiblicher
Vater dessen Platz ein, aber irgendwie ist Vinz auch noch da, was Janis ganz praktisch findet. In einem parallelen Erzählstrang kommt eine weitere Frau ins Spiel, die Ich-Erzählerin, die gerade an einem Schreibprojekt arbeitet. Der plötzliche Tod ihrer Mutter beschäftigt sie und sie hadert damit, dass es ihr nicht möglich ist, direkt über ihre Mutter zu schreiben. Sie brauche für ihre Geschichte Umwege und Brüche, und der ihr unbekannte Ben mit seinem plötzlichen Auftauchen scheint ihr der Richtige dafür zu sein. - Marie-Alice Schultz (Jg. 1980) hat Theaterwissenschaften, Germanistik und Bildende Kunst studiert. Ihr Roman ist ein metafiktionales Schreibwerkstattbuch, laut Selbstauskunft sind auch eigene Zeichnungen in ihre Geschichte eingeflossen. Er ist für Leser/-Innen geeignet, die sich auf die Erkundung von Räumen und Konstellationen einlassen wollen und nicht auf einen Plot setzen, der die Handlung vorantreibt.
Karin Blank
rezensiert für den Borromäusverein.
Der halbe Apfel
Marie-Alice Schultz
Frankfurter Verlagsanstalt (2022)
255 Seiten
fest geb.