Marschmusik
Der Besuch bei seiner alten Mutter geht immer mit Traurigkeit und Bedrückung einher, die paar Tage bedeuten jedes Mal ein Eintauchen in das vergangene Leben seiner Eltern, in seine Jugend und das Erwachsenwerden. Sein Vater war Bergmann und wechselte
in eine andere Gegend mit einer anderen Arbeit, die nicht weniger hart und mühsam war. Er starb, kaum, dass er in Rente gehen konnte. Die Mutter, mittlerweile auf Betreuung angewiesen, lebt immer noch in dem unscheinbaren Reihenhaus, das sich das Paar angeschafft hatte. Der Sohn erinnert sich an seine Ängste im Alltag und vor allem an seine Mühen mit der Musik. Eher zufällig wurde er in die örtliche Musikkapelle aufgenommen, die hauptsächlich bei Feuerwehr- und Schützenfesten spielte. Er liebte seine Posaune und bildete sich ein, zu Größerem berufen zu sein. Umso schmerzlicher dann das Erwachen, als er feststellen musste, dass sein Talent dafür keineswegs ausreichte. - Die Erzählung über ein Leben in der Nachkriegszeit der Eltern, die Maloche im Pütt und in der Fabrik - das ist alles schon oft geschildert und gesagt worden. Trotzdem ist diese Geschichte mit den vielen kleinen und größeren Glücksmomenten und Tragödien eindrucksvoll und auch bewegend. Da sich das Buch gut liest und gerade für Leute, die mit dem Milieu des Ruhrpotts und dem Bergwerkswesen weniger vertraut sind, sehr anregend sein kann, ist es für alle Büchereien geeignet.
Erwin Wieser
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Marschmusik
Martin Becker
Luchterhand (2017)
285 S.
fest geb.