Der Ozean so wild und weit
Zwei Unfälle prägen das Leben von Jack Paton: Bereits vor Jahren sind Sonny und Kathleen, seine Eltern, auf dem Meer ums Leben gekommen, als ein Wal ihr Boot auf dem Rücken emporhob. Seitdem lebt Jack, auch schon in seiner Jugend eher schweigsam
und schüchtern, zurückgezogen in dem alten Cottage der Familie auf den Shetlands, ohne Bindungen und mit wenig Kontakt zur Außenwelt. Jetzt ist Jack in seinen Sechzigern, schlägt sich nach seinem Postboten-Job als Putzmann durch und ist vom wirtschaftlichen Boom, den die Ölförderung den Inseln beschert hat, ebenso weit entfernt wie vom sozialen Leben im Dorf mit dem alltäglichen Tratsch und Klatsch. Viel bedeutet ihm nur seine Gitarre – und die Country-Songs, die er selbst komponiert und die bisher kein Publikum zu hören bekam. In den letzten Tagen bekommt er jedoch regelmäßig Besuch von Vaila, einem kleinen Mädchen aus der Nachbarschaft, die sich für Jacks Katze interessiert. Als die Achtjährige bei einem Autounfall schwer verletzt wird, muss Jack seine selbstgewählte Einsamkeit überwinden. – Wechselweise erzählt der Autor und Songwriter Malachy Tallack aus dem Leben von Jacks Eltern in den 1950er und 60er und aus Jacks Gegenwart, die in den 1980er Jahren angesiedelt ist. Die zwischen den einzelnen Kapiteln in Handschrift abgedruckten Songtexte wirken – genauso wie die Beschreibungen von Jacks Alltagsroutinen und die Naturbeschreibungen der kargen Küstenlandschaften – authentisch und stimmig. Mit seiner klaren Sprache und ruhigem Erzähltempo steht der Roman für eine Lektüre der leisen Töne, die vollkommen überzeugt.
Slávka Rude-Porubská
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Ozean so wild und weit
Malachy Tallack ; aus dem schottischen Englisch von Klaus Berr und Cornelius Reiber
Luchterhand (2026)
281 Seiten
fest geb.