Das Leben nach den großen Ferien

Kermit, Schneid, Travis und Gerschon wachsen in den 80er Jahren in einem Dorf in der Nähe von Jerusalem auf. Sie interessieren sich für Musik, Popkultur, Liebe und träumen von Freiheit, aber da sind auch die Schrecken der Vergangenheit, die Pogrome Das Leben nach den großen Ferien und Kriege, die weiterhin drohende Gewalt im täglichen Leben. Als einer der Freunde bei einem Militäreinsatz im Libanon stirbt, wird das für die anderen zum Wendepunkt: Einer wird Gründer einer erfolgreichen Falafel-Kette, ein weiterer gestaltet Grabsteine und der dritte zieht von Ort zu Ort, auf der Suche nach seiner Jugendliebe und letztlich auch nach sich selbst. Der tragische Verlust wird sie, trotz aller Unterschiedlichkeit, für immer verbinden. – Psychologisch präzise und mit viel Gespür für die unterschiedlichen Entwicklungen der Heranwachsenden erzählt dieser Roman über vier Jahrzehnte hinweg von Freundschaft, dem Ende der Kindheit, von Verrat, Hoffnung und der lebenslangen Suche nach Zugehörigkeit und Identität. Nach dem ersten Kapitel, welches den Beginn und das Ende der Ferien für die vier Freunde schildert, folgt ein Bruch in der Erzählperspektive. Das zweite sehr lange Kapitel versetzt uns als Lesende in die Vergangenheit. Ein 86-jähriger Ich-Erzähler und Bewohner eines Seniorenheimes schildert einer Mitbewohnerin seine Erinnerungen an die Gründungsgeschichte seines Dorfes. Damit verwoben wird gleichzeitig die Geschichte Gerschons als Kind, dessen Hund vergiftet wurde. Man ahnt, dass dies eventuell die Tat des Ich-Erzählers ist. Diese Entwicklung des Dorfes steht stellvertretend für die Entstehungsgeschichte Israels. So erhalten die Lesenden sowohl einen geschichtlichen Zugang als auch einen Einblick in die frühe Lebensgeschichte der Freunde. Im weiteren Verlauf des Romanes steht jeweils einer der vier Protogonisten im Vordergrund. Wir erleben eine Generation in Israel, die versucht, der scheinbar unausweichlichen Gewaltspirale zu entkommen. – Es ist ein in epischer Breite erzählender Roman mit vielen Dialogen. Der Isareli Assaf Gavron ist im europäischen Sprachraum als großer Kenner des Nahostkonfliktes bekannt. Für Lesende, die literarisch epische Romane schätzen und sich intensiv mit der Realität Israels auseinandersetzen möchten, gerne empfohlen.

Silvia Eilers

Silvia Eilers

rezensiert für den Borromäusverein.

Das Leben nach den großen Ferien

Das Leben nach den großen Ferien

Assaf Gavron ; aus dem Hebräischen von Stefan Siebers
Luchterhand (2026)

537 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 626209
ISBN 978-3-630-87811-9
9783630878119
ca. 28,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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