Der Süden
Jay, knapp 16 Jahre, lebt mit seiner chinesisch-stämmigen Familie, Vater, Mutter und zwei Schwestern, in einer malaysischen Stadt. In den Sommerferien fahren alle in den Süden des Landes zu einer Farm, die die Familie von Jays Großvater geerbt hat.
Als sie ankommen, sind sie zunächst bestürzt, denn das Anwesen ist sehr heruntergekommen – eine Folge der zunehmenden Dürre im Lande. Nur der Verwalter der Farm, Fong, sieht hier noch die Möglichkeit, etwas Neues aufzuziehen. Auf der Farm trifft Jay bald Chuang, den nur wenig älteren Sohn Fongs und verliebt sich in ihn. Während Jay, der Jüngste der Familie, immer wieder unter den Spannungen zu seinem etwas herrischen Vater leidet, hat sich der aufmüpfige Chuan von seinem Vater emanzipiert und versucht, ein eigenes Leben zu führen. Beide finden schnell zueinander, und Jay lernt in Chuang die erste große Liebe seines Lebens kennen. Doch er verliebt sich auch in die Natur der Region, während seine älteren Schwestern dem Landleben nur wenig abgewinnen können. Als Jays Vater erfährt, dass er seine Stelle als Lehrer verloren hat, wird der Familie klar, dass sie die Farm verkaufen müssen. Als Käufer bietet sich der Verwalter Fong an, der weiter von einer neuen Verwendung des Landes träumt. Am Ende der Ferien muss sich Jay von Chuang verabschieden – in der Hoffnung, ihn im kommenden Jahr wiederzusehen. – Mit viel schriftstellerischem Geschick webt Tash Aw, der als einer der besten Autoren seines Landes gilt, diese Geschichte, in der er nicht nur die Liebe zwischen den beiden Jungen thematisiert, sondern auch die ökologischen und sozialen Schwierigkeiten des Landes benennt. Ein wunderbarer Roman, romantisch und sozialkritisch zugleich. Allen Beständen sehr zu empfehlen.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Süden
Tash Aw ; aus dem Englischen von pociao und Roberto de Hollanda
Luchterhand (2026)
284 Seiten
fest geb.