Suki
Suki, 16 Jahre, halb Deutsche, halb Japanerin, lebt bei ihrer Oma in Berlin. Ihre Eltern haben sich weitgehend aus ihrem Leben zurückgezogen und auch die Oma sorgt sich eher um die äußeren Angelegenheiten, nicht um Sukis Gefühlslage, die trotzig,
verletzlich und manchmal auch komisch wirkt – und verloren. Suki treibt durch Berlin. Und da ist Anna Fischer, ihre Lehrerin. Erwachsen und anscheinend souverän, versucht sie, ihre Vergangenheit unter Verschluss zu halten. Ein Unfall bringt die beiden zusammen, eine fragile Nähe entsteht, die für einen Moment die Kälte der letzten Dezembertage durchbricht. – Sahil Jamal erzählt sprachgewaltig mit bildhaften Beschreibungen. Stellenweise wunderbar poetisch, gleichzeitig aber auch schonungslos offen und hart. Gefühle der beiden Protagonistinnen werden sehr empathisch geschildert. Es ist ein sensibel komponierter Roman über Verlust, Vertrauen und das vorsichtige Zulassen von Nähe, das Bleiben trotz Sollbruchstellen und die stille Hoffnung, gesehen zu werden. Dies alles in einer Gegenwart, in der Überforderung, Einsamkeit und Zukunftsmüdigkeit längst zum Grundrauschen des Lebens vieler Menschen geworden sind. Ein zarter, nachdenklich stimmender Roman über die heilende Kraft menschlicher Nähe. Da dieses Buch einige Tage Ende Dezember schildert, könnte man den Roman auch als weihnachtliche Erzählung ansehen. Gerne allen Büchereien empfohlen.
Silvia Eilers
rezensiert für den Borromäusverein.
Suki
Salih Jamal
edition federleicht (2026)
203 Seiten
fest geb.