Immergrün

Immergrün steht bei Ruth Olshan als Symbol für das Durchhalten, für den Bestand von Liebe und Hoffnung gegen alle Widerstände. Der härteste Widerstand in ihrem Buch ist der Eiserne Vorhang, der 40 Jahre lang Europa in zwei Teile teilt, Familien Immergrün trennt und Lebensträume zerstört. In dem autobiografischen Roman berichtet die Ich-Erzählerin über ihre Geburt in Litauen, die Flucht nach Israel, die Migration nach West-Deutschland und das Aufwachsen als Sozialhilfeempfängerin in West-Berlin. Dabei beobachtet die Erzählerin vor allem ihre Mutter, eine einst in Litauen berühmte Sängerin, die in Israel nicht glücklich war und in Deutschland an der Bürokratie erkrankt. Dazwischen stehen Kapitel, die in der Gegenwart von der Reise der Erzählerin mit den Urnen ihrer Mutter und ihrer Großmutter von Berlin nach Karnaus in Litauen berichtet. Ihr Ziel ist eine würdige Beerdigung ihrer Ahninnen. Lesenswert wird das Buch durch das Individuelle der großen Geschichte Europas: Christentum und Judentum, russische, litauische, deutsche und israelische Identitäten, Ost- und West-Berlin, Kreativität und Bürokratie, Luxus und Armut, Krieg und Frieden: diese gesamtgesellschaftlichen Widersprüche konzentrieren sich im Leben dreier Frauen, die unterschiedlicher und ähnlicher nicht sein könnten. Ihre Schicksale zeigen die gewaltige Kraft der historischen Gegebenheiten und doch am Ende auf einer Beerdigung mit Kuchen, einem katholischen Priester und heimlich abgelegten Steinen am Grab die Macht der Liebe unter den Generationen.

Janina Dillig

Janina Dillig

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Immergrün

Immergrün

Ruth Olshan
Pfaueninsel (2026)

251 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 755797
ISBN 978-3-69131-007-8
9783691310078
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
Diesen Titel bei der ekz kaufen.